Schreibrausch

Warendorfer Autorengruppe

HF Leseproben

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In den Fängen der Fantasie   ©  2011 Hanne Fliesen

So, nun probiert es aus! Augen zu. Gut festhalten und zwar mit beiden Händen. Volle Konzentration und wenn ihr euch sicher genug seid, nur noch loslassen. Das soll funktionieren? Bei den anderen durchaus möglich, aber nicht bei mir.
Diesen Mut werde ich nie aufbringen. In meinen kühnsten Träumen nicht. Außerdem, Herausforderungen hatte ich heute schon genug und „Spezielles“? Will ich erst recht nicht mehr. Ok, ich weiß ja, mir kann nichts passieren. Weshalb bin ich dann trotzdem so nervös? Keine Ahnung. Der Vorschlag unserer Seminarleiterin ist doch gar nicht so schlecht. Verspricht Spannung und vielleicht auch Abenteuer. Eine Wahrnehmungsübung.

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Sommernachtsphantasie                             © 2011 Hanne Fliesen

Aus heiterem Himmel trudelt sie plötzlich ab, die kleine Sportmaschine. Zum Glück noch vor der großen Wurstfabrik, die direkt am Autobahnkreuz liegt. Völlig außer Kontrolle springt sie wie ein Grashüpfer über die Wiese, bevor ein wuchtiger Holunderbusch sie abfängt. Flirrend heiß und stickig staut sich die Luft im Cockpit. Die Frontscheibe ist total blind, voller Spritzer, da zerschmetterte Beeren, im Zeitlupentempo hinunter rutschen. Was hatte Pit abgelenkt? Der lange Stau auf der Autobahn?
Aufstöhnend fühlt er die blutende Wunde an seiner Stirn. „Auch das noch. Nichts, wie raus hier.“ Doch leichter gesagt, als getan. Die Tür klemmt, genauso wie seine Beine unter dem Steuerknüppel.
Pit schließt erschöpft die Augen und in diesem Moment weiß er wieder, was es eben war. Ein fantastisch buntes Farbenspiel. So eines hatte er noch nie in seinem Leben gesehen.

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Tannennadeln im Schnee © 2011 Hanne Fliesen

„Dich will doch sowieso niemand haben, so klein und mickrig, wie du bist. Schau dich doch mal an. Ganz allein wirst du an Weihnachten hier draußen stehen, das kannst du mir glauben.“ Hochnäsig und arrogant reckt die große Tanne, neben ihr, die Zweige nach oben und würdigt sie keines Blickes mehr.

„Nur jetzt nicht weinen.“ Tapfer schluckt die kleine Tanne ihre Tränen herunter. „Warum ist sie nur so gemein?“ Als vor einigen Jahren diese Schonung gepflanzt wurde, waren sie doch die besten Freunde geworden. Alles hatten sie zusammen durchgestanden. Hitze und Kälte, Sturm und Regen. Langeweile kannten sie nicht. Nächtelang hatten sie gequatscht und gekichert. Sich gefreut, weil die Waldtiere unter ihnen Schutz suchten. Doch irgendwann fing ihre Freundin an, sich zu verändern. Sie wollte plötzlich nicht mehr in dieser öden Schonung stehen, sondern hinaus in die weite Welt, um etwas zu erleben. Ach und überhaupt, bald würden sich alle um sie reißen, weil sie nämlich der schönste Weihnachtsbaum hier am Platze sein würde. Eine reiche Familie würde kommen, die sie in ihrer großen Luxusvilla aufstellen würde.

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Hexe in Rot © 2012 Hanne Fliesen

Feiner Nieselregen begleitete mich kurz vor Mitternacht, als ich das Haus noch einmal verließ, um frische Luft zu schnappen. Die Kapuze weit ins Gesicht gezogen ging ich durch die Straßen. Ich weiß nicht wieso, aber plötzlich stand ich vor dieser Bar. Die Urige, mit dem riesigen Spiegel hinter der Theke. Oft das Lieblingsziel von Klaus. Hoffte ich hier vielleicht eine Antwort auf alles zu bekommen?
Es war nicht mehr viel los. Im Hintergrund lief leise der Song: „I will always love you“ von Whitney Houston. Meinen Mantel behielt ich an. Mir war kalt und ich bestellte einen heißen Amaretto mit Sahne. Der Kellner schien ziemlich genervt zu sein. Trotzdem fragte ich ihn nach Klaus.

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Im Zeichen des Mondes © 2011 Hanne Fliesen

Monoton und einschläfernd drehen die Propeller. Aber er kann einfach nicht einschlafen. Sein Kopf lehnt an der kühlen Fensterscheibe der Passagiermaschine. Regen peitscht dagegen. Nebelbänke, ab und zu in Fetzen gerissen, durch den heftigen Wind, huschen an seinen Augen vorbei. Frische Luft, ja, die würde ihm jetzt gut tun. In Intervallen spürt er immer wieder das Auf-und Absacken der Maschine. Ähnlich ist es bei seinen Gedanken, die seit Stunden Gelegenheit finden, hinter seinem geistigen Auge abzulaufen. Zitternd fahren seine Finger über seine Stirn. Kalter Schweiß bleibt an ihnen hängen.
„Du brauchst erst mal Abstand, Daniel“, klingen diese Worte in seinen Ohren nach.

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